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zur medialen Grundversorgung im Internet-Zeitalter

6. Grundversorgung stellt Kontext her

1Leave a comment on paragraph 1 1 Grundversorgung ist mehr als die Summe ihrer Teile. Einzelne Programmbeiträge informieren, fördern soziale Integration, leisten Kulturkritik, beraten Konsumenten, sprechen verschiedene Zielgruppen in ihrer jeweiligen Sprache an und erfüllen andere Teile des öffentlich-rechtlichen Mandats. Als Ganze schafft Grundversorgung einen redaktionell verantworteten Kontext, in dem Informationen zu Wissen und damit relevant für Bürger werden können. Sie zeigt Hintergründe und Zusammenhänge auf, benennt Akteure, deckt investigativ auf, was im Verborgenen geschieht, aber von öffentlichem Interesse ist, macht die Positionen in gesellschaftlichen Kontroversen plastisch. Bürger erwarten von medialen Institutionen des öffentlichen Vertrauens, dass sie Informationen auswählen, verifizieren, kommentieren, die unterschiedlichen Argumente dazu abbilden und in einen Kontext hinein kuratieren, der gesellschaftliche Vielfalt abbildet und Orientierung bietet.

2Leave a comment on paragraph 2 0 Die Digitalisierung beendet den Mangel an medialer Bandbreite und bringt eine Überfülle an öffentlichen Äußerungen hervor. In dieser neuen Lage geht es nicht nur darum, neue Beiträge zu schaffen, sondern zunehmend darum, eine gesellschaftliche Selbstbeobachtung zu organisieren, indem die ständige Flut von Produktionen gefiltert und Relevantes in einen jeweiligen Kontext gesetzt wird.

3Leave a comment on paragraph 3 0 Dieser Auftrag, in der unübersichtlichen Wissensumgebung des 21. Jahrhunderts informationelle Sicherheit, einen Orientierung bietenden Kontext und Medienkompetenz zu schaffen, ist den Öffentlich-Rechtlichen im Rundfunkstaatsvertrag (§ 11 d Abs. 3) erteilt. Bundesverfassungsgerichtspräsident a.D. Hans-Jürgen Papier (2010: 15) sieht den neuen Schwerpunkt der öffentlich-rechtlichen Anbieter darin, „gerade die Informationsquelle zu sein, die Gewähr für Objektivität und Binnenpluralität bietet, weil sie weder dem Staat noch einer gesellschaftlichen Gruppe noch den Anzeigen- und Werbekunden ausgeliefert ist.“ Das Filterkriterium ist also nicht, dass die Auswahl dem Interesse der politischen Klasse oder dem Profitinteresse von Marktteilnehmern, sondern dass sie dem Interesse des Gemeinwohls dient.

4Leave a comment on paragraph 4 1 Die redaktionelle Unabhängigkeit von werbefinanzierten Angeboten im Internet sei zweifelhaft, so Papier. Oft könnten Empfänger nicht erkennen, welche Berichte neutral und welche tendenziös sind. Schließlich stehe dem Bürger nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung, sich in der Vielfalt der gesellschaftlichen Meinungen zu orientieren. Durch eine konzentrierte öffentlich-rechtliche Präsentation müsse er sie nicht selbst zusammensuchen. Daher komme, so Papier, den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbietern auch im Internet eine besondere Rolle zu, die vom Grundversorgungsauftrag in seiner Entwicklungsoffenheit gedeckt ist.

Source: http://digitale-grundversorgung.de/thesen/grundversorgung-stellt-kontext-her/