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zur medialen Grundversorgung im Internet-Zeitalter

9. Mit ihrer Qualität stehen und fallen öffentlich-rechtliche Medien

1Leave a comment on paragraph 1 0 Im jüngsten Medien- und Kommunikationsbericht der Bundesregierung von 2008 wird die „Förderung der Qualität von Medienangeboten“ als eines von vier „Grundprinzipien der Medien- und Kommunikationspolitik“ genannt. Dort heißt es:

2Leave a comment on paragraph 2 0 „Ein qualitativ hochwertiges, seriöses Medienangebot ist ein Lebenselixier der Demokratie. Nur wenn gesellschaftliche und politische Debatten fundiert geführt werden, können die Bürgerinnen und Bürger von ihren demokratischen Partizipationsmöglichkeiten in vollem Umfang Gebrauch machen.“ (S. 18 f.)

3Leave a comment on paragraph 3 0 Den öffentlich-rechtlichen Rundfunk verpflichtet sein rechtlicher Funktionsauftrag zu Qualität und ausgewogener Vielfalt im Austausch für eine gesicherte Beitragsfinanzierung durch alle Haushalte. Laut Medienbericht kommt ihm die Rolle des „Qualitätsgarants“ zu. Seine Internet-Angebote seien darüber hinaus im Dreistufentest daraufhin zu prüfen, ob sie angesichts kommerzieller Angebote auf dem Medienmarkt „notwendig sind, indem sie gleichsam ein besonderes Qualitätssiegel tragen.“

4Leave a comment on paragraph 4 0 Seit 2004 müssen die Öffentlich-Rechtlichen laut Rundfunkstaatsvertrag alle zwei Jahre einen Bericht über die Qualität und Quantität ihrer Angebote sowie Leitlinien für die kommenden zwei Jahre vorlegen. Auf der ARD-Hauptversammlung im November 2012 verabschiedeten die Intendanten ihren Bericht 2011/12 und die Leitlinien 2013/14 für ARD Rundfunk und ARD Telemedien. Darin werden Qualitätskriterien für alle ARD-Medien und jeweils für die einzelnen Programmbereiche benannt. Diese beziehen sich auf die handwerkliche (Relevanz, Ausgewogenheit, investigative Recherche, kritische Analyse) und technische (Barrierefreiheit, modernster Studiotechnik) Qualität von Beiträgen, auf das Gesamtprogramm (Vielfalt, Vollständigkeit) sowie auf das Publikum (Akzeptanz, Medienkompetenz).

5Leave a comment on paragraph 5 0 In der Selbstevaluation bescheinigen sich die ARD-Gremien uneingeschränkten Erfolg im Hinblick auf Qualität und Akzeptanz. Das Fazit von Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen: Die Berichte belegten „den Public Value des Ersten und skizzieren das Ziel für die vor uns liegenden zwei Jahre: Die Qualitätsmarktführerschaft in einem sich immer weiter diversifizierenden und in vielen Bereichen trivialisierenden Umfeld.“

6Leave a comment on paragraph 6 1 Genau die Angleichung an diese massenwirksamen Angebote privatwirtschaftlicher Medien werfen Beobachter den Öffentlich-Rechtlichen jedoch regelmäßig vor. Der Medienbericht der Bundesregierung beschränkt seine Kritik auf die mangelnde Einhaltung des Trennungsgebots von redaktionellen Inhalten und Werbung und die Verschiebung von Kultur auf Nischenprogrammplätze. Nachdrücklich mahnt er jedoch an: „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk würde seine Existenzberechtigung aufs Spiel setzen, sollte er Programminhalte und -formen in Zukunft denen der Privaten noch stärker als bisher annähern.“

7Leave a comment on paragraph 7 2 „Qualität statt Quote“ lautet die Forderung an die öffentlich-rechtlichen Medien, die von Redakteuren dieser Anstalten und von Dokumentarfilmern genauso erhoben wird wie von Vertretern gesellschaftlicher Institutionen. Der Quotendruck gilt als Mutter aller Missstände. Die anhaltende Forderung macht deutlich, dass Mandat und Wirklichkeit, Selbst- und Außenwahrnehmung zunehmend auseinanderklaffen.

8Leave a comment on paragraph 8 1 Gefordert wird ein fundierter, kritischer, kontextschaffender Qualitätsjournalismus, der fraglos das „Lebenselixier der Demokratie“ ausmacht. Beklagt wird die Streichung oder Verschiebung von politischen Magazinen und Kultursendungen ins Nachtprogramm und in Spartenkanäle. Statt von Gremien müsse das Programm von mutigen Journalisten und der Qualität verpflichteten Redakteurinnen gemacht werden. Da wird gefragt, ob Personalisierung von Sachfragen, Wissensvermittlung durch Rateshows, angekaufte US-Serien und Volksmusik der Grundversorgung dienlich seien. Als Grund für diese Boulevardisierung wird regelmäßig der Quotenwettlauf gegen die Privaten genannt. Und die Werbung, die Quote bedingt, was den Bürgern die Grundlage für ihre Beitragszahlungen weiter unverständlich mache. Folglich heißt es im Medienbericht: „Ein Werbeverzicht der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten kann aus Sicht der Bundesregierung zu einer Schärfung ihres öffentlich-rechtlichen Profils beitragen.“

9Leave a comment on paragraph 9 1 Umgekehrt wird vorgebracht, dass Quote und Qualität kein Widerspruch sei. Eine breitenwirksame Auseinandersetzung mit Themen, die Menschen bewegen, sei Voraussetzung der Zustimmungsquote für das öffentlich-rechtliche System. Um beide zusammen zu bringen, müsse mit der Qualität des Angebots auch die der Nachfrage erhöht werden. Daher sieht die Bundesregierung in der Förderung der Medienkompetenz „und der damit einhergehende Bereitschaft, für ein anspruchsvolles Angebot auch einen angemessenen Preis zu bezahlen,“ eine ihrer zentralen Aufgaben.

10Leave a comment on paragraph 10 1 Um den „Qualitätsgarant“ zu gewährleisten, brauche es zudem eine unabhängige Aufsicht, die nach Kompetenz und nicht nach Proporz besetzt ist und die Zuschauer einbezieht. Eine öffentliche Evaluierung setze Transparenz auch bei der Auftragsvergabe voraus. Die von privaten und öffentlichen Organisationen gegründete IQ – Initiative Qualität schlägt Qualitätssiegel für Medienangebote, Ombudsleute in Medien, die als Vermittler zwischen Anbietern und Nutzern fungieren und die Verbesserung der Partizipation der Nutzer vor.

11Leave a comment on paragraph 11 2 Als Vorbild kann hier auch die zunehmende Peer-Finanzierung von kulturellen Werken dienen, bei der Mediennutzer kollektiv entscheiden, welche Produktionen sie fördern wollen, und diese oft auch aktiv begleiten. Dabei spielt neben einer erwarteten Qualität auch die Relevanz für die eigenen medialen Bedürfnisse eine Rolle. Ist Qualität schon schwierig genug abstrakt zu bestimmen, so hängt Relevanz ganz vom Kontext des Rezipienten ab und kann von einer Redaktion top-down nur durch Mutmaßungen über bestimmte Zielgruppen angenähert werden. Durch Peer-Strukturen artikuliert sie sich unmittelbar.

Source: http://digitale-grundversorgung.de/thesen/mit-ihrer-qualita%CC%88t-stehen-und-fallen-offentlich-rechtliche-medien/