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zur medialen Grundversorgung im Internet-Zeitalter

5. Öffentliche Medienforschung findet nicht statt

1Leave a comment on paragraph 1 0 Medienforschung in Deutschland wird von und für Werbung bezahlt. Über den Weg ihrer terrestrischen, satelliten- und kabelgestützten Verbreitung elektromagnetischer Signale wissen die Sendeanstalten nicht, wer sie sieht und hört. Obwohl nur interessiert herauszufinden, wie viele „Kontakte“ die gemessenen Fernseh- und Hörfunk-Kanäle erreichen (für die Kalibrierung des so genannten „Tausender-Kontakt-Preises“), sind die Ergebnis der derzeitigen Medienforschung insofern „objektiv“, als die werbetreibende Wirtschaft schon aus Eigennutz an „Marktgerechtigtkeit“ interessiert ist. Elektronische Massenmedien leben von elektronischer Werbung, aber niemand will zuviel für nicht „hart“ ermittelte Reichweiten zahlen.

2Leave a comment on paragraph 2 0 Die Ergebnisse geben Aufschluss, wie und welche Medien genutzt, welche Programme bevorzugt, welche Sendungen in welcher Intensität gesehen und gehört werden. Das sind gesellschaftlich relevante Daten. Mit dem Aufkommen der Bezahl-Kanäle (Pay TV, Pay Per View etc.) und der Online-Medien (Ad-Server-Werbung etc.) hat sich allerdings die Ausgangslage grundlegend verändert. Werbefirmen verdienen jetzt direkt und zielgruppengenau an messbaren „Klicks“. Akzeptanzmessungen der Angebote benötigen nur noch am Rande statistische Verfahren und diese selbst sind eher darauf ausgerichtet, Produkte zu promoten, um mehr reale (aber der Öffentlichkeit unbekannte) Nutzung zu generieren.

3Leave a comment on paragraph 3 0 Die Bundesregierung betreibt keine Medienforschung. Es ist auch keine exekutive Aufgabe. Allerdings müssen Mediennutzungsdaten in Zukunft öffentlich-rechtlich gesichert erhoben werden. Gerade bei der abnehmenden Bedeutung der klassischen Massenmedien – wie sie bereits dramatisch in den Printmedien zu beobachten ist –, hängt eine gemeinwohlorientierte Politik auch davon ab zu wissen, welche Mediennutzungen in den alten und neuen Medien stattfinden, wie die Sozialen Netzwerke genutzt werden und welche Suchanfragen in unserer Gesellschaft an die Suchmaschinen im Netz herangetragen werden. Die Daten müssen allgemein zugänglich sein, um medienpolitische Entscheidungen auf eine fundiertere und nachvollziebarere Basis zu stellen (These 4).

Source: http://digitale-grundversorgung.de/thesen/offentliche-medienforschung-findet-nicht-statt/