Christopher Lauer: “Twitter ist für mich gestorben.”

So das ernüchterte Fazit des innen- und kulturpolitischen Sprechers der Piraten, ihres Fraktionschefs im Berliner Abgeordnetenhaus und Vielkommunizierers Lauer in der FAZ vom 19.2.13. und zuvor schon auf einer Veranstaltung des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik in Kooperation mit der Stiftung Mercator. Twitter koste Zeit und Nerven, produziere eine “Diskussions- und Aufmerksamkeitskultur des Rauschens” und bringe nur einen äußerst beschränkten Mehrwert. 22.500 Follower hat Lauer, aber ein Link, den er verbreitet, wird im Durchschnitt nur um die 500 Mal geklickt. Über eine Tageszeitungen dagegen erreiche er mehr Leser, über eine Talkshow im öffentlich-rechtlichen Fernsehens ein Millionenpublikum.

Stefan Niggemeier kommt auf eine ähnliche Twitter-Lebenszeitbilanz, aber zu gänzlich anderen Schlussfolgerungen. Er sieht Lauers Erklärung als tragische Kapitulation von jemandem, der es nicht geschafft habe, einen sinnvollen Umgang mit einer neuen Kommunikationsform zu finden und nun “seine eigene Unfähigkeit zum Beleg für die Untauglichkeit des Mediums” nimmt.

Steffi Dobmeier wundert sich in der taz, wie jemand, der Twitter nicht nutzt, noch bei den Piraten bleiben könne, also der Partei, die quasi um Twitter und Liquid Feedback, um Transparenz und “ungezügelten Nölerei” herum gebaut ist.

Totgesagte leben bekanntlich länger und ein Twitter-Wiedergänger Lauer ist nicht auszuschließen. Wichtiger ist, wie auch von Niggemeier nicht unerwähnt gelassen, dass sich viele von den neuen Möglichkeiten der Kommunikation überfordert und fremdbestimmt fühlen. Einen Modus zu finden, wie sie eine Bereicherung und keine Belästigung seinen können, ist die Herausforderung für unser digital-revolutionäre Neulandkultur.

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