Vom Internet her gedacht

Die am 17.10.2014 getroffene Entscheidung der Ministerpräsidentenkonferenz über das seit mehreren Jahren diskutierte crossmediale Jugendangebot von ARD und ZDF ist ein großer Schritt nach vorn. Aus den Etats von ARD und ZDF werden 45 Mio Euro freigemacht für ein neues Online-Angebot. Gleichzeitig werden zwei Fernsehkanäle, die im Bereich von 0,1 Prozent Reichweite herumgeisterten, eingestellt. Auf die Gründung eines neuen gemeinschaftlichen Fernsehkanals wird verzichtet. Dies ist die eigentliche frohe Botschaft. Denn dieser Verzicht erzwingt eine neue Konzeption des Angebots, das offenbar bislang als öffentlich-rechtliches Viva konzipiert war: Ein Fernsehkanal, gespeist durch Ideen und Moderatoren aus den Jugendwellen, ergänzt durch allerlei kommunikative Begleitmusik in diversen Online- und Mobile-Kanälen. Ohne einen solchen Fernsehkanal muss das Angebot aus einer anderen Perspektive entwickelt werden, und genau das sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin in ihrer Stellungnahme zur Entscheidung. Das Konzept eines an den Nutzungsgewohnheiten der jungen Generation orientierten Angebots muss nun bis zum Start im Jahre 2016 erarbeitet werden. Continue reading

Nachrichtenkonferenz: Präsentation und Daten der Befragung zu Open Data und investigativem Journalismus

Im Rahmen der Konferenz “Neueste Nachrichten. Journalismus in der Digitalen Medienkultur” am 9. und 10. Oktober 2014 an der Leuphana Universität Lüneburg diskutierten fachkundige Vertreter aus Wissenschaft und Praxis auf dem Panel “Open-Data und investigativer Journalismus” über aktuelle Herausforderungen bei der daten- und investigativjournalistischen Arbeit.

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Auf Einladung des Centre for Digital Cultures waren auf dem Panel die Journalistin Nicola Kuhrt (Spiegel Online), der Vorstand der Investigativjournalistenorganisation “Netzwerk Recherche” Dr. Manfred Redelfs, die Kommunikationswissenschaftlerinnen Prof. Dr. Elke Grittmann (Leuphana) und PD Dr. Wiebke Loosen (Hans-Bredow-Institut) und Marco Maas (Open Data City) (v.l.n.r.) vertreten. Continue reading

Frag ein Klischee: Pädophilie

Im Zuge der Kinderfoto-Affäre um den SPD-Politiker Sebastian Edathy war das Thema „Pädophilie“ in der ersten Jahreshälfte wieder allgemein in den Medien. Die Diskussion wurde dabei oftmals sehr emotional und hermetisch geführt, was für uns in der Hyperbole-Redaktion den Ausschlag gab, uns eingehender mit der Thematik auseinanderzusetzen: Wir wollten einen bisher nicht straffällig gewordenen pädophilen Mann möglichst vorurteilsfrei nach seiner eigenen Lebensperspektive befragen, wobei die Zuschauer unseres Formates „Frag ein Klischee“ ihre eigenen Fragen zum Thema einreichen sollten.

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Hyperbole – Die Krux mit der Praxis oder: Was Farid Bang mit der Leuphana-Universität Lüneburg zu tun hat

Grundversorgung 2.0 – klingt eher nach Elfenbeinturm als nach Straßenrap, mehr nach universitärem Programm als nach popkultureller Unterhaltung. Und das ist es auch – ein mehrjähriges, EU-gefördertes Forschungsprojekt zur Zukunft der beitragsfinanzierter Medien. Und da steht dann Farid Bang, seines Zeichens Gangster-Rapper mit Millionenverkäufen, verhasst und belächelt vom Bildungsbürgertum, vergöttert von seinen jugendlichen Fans. Farid spricht von weiblichen Verwandten, die er mit seinem überdimensionierten Geschlechtsteil beglückt und davon, wie es ist, täglich Anabolika zu frühstücken. Das alles als Antwort auf Kommentare im Internet, zusammengestellt und gefilmt von uns: HyperboleTV. Bezahlt von der EU, betitelt als Forschungsprojekt. Wie passt das zusammen?

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Welche Nachrichten brauchen wir?

Die Konferenz Neueste Nachrichten, die das Projekt Grundversorgung 2.0 am 9. und 10. Oktober 2014 veranstaltet, widmet sich dem Zustand und der Zukunft des Journalimus bewusst aus der Perspektive bereits bestehender Online- und Mobile-Plattformen. Verlustszenarien und Adaptionsprobleme der traditionellen Medien sind dabei ausgeblendet. Mediennutzer – vor allem in den jüngeren Generationen – entwickeln angesichts des Zeitungssterbens oder in Verbindung mit dem eigenen abnehmenden Fernsehkonsum keine Verlustempfindung. Es geht daher vor allem um die Reflexion darüber, was durch den Medienwandel zu gewinnen ist.

Dieser Beitrag fasst in einer offenen und thesenhaften Form einige Wahrnehmungen und Überlegungen zusammen, die neben anderen zur Veranstaltung der Konferenz motiviert haben. Continue reading