Category Archives: CDC

Stellungnahme des CDC zur Digitalen Agenda der Bundesregierung

Aus einer geschlossenen Alpha muss schnell eine offene Beta werden

Sigmar Gabriel auf der heutigen Pressekonferenz zur Vorstellung der Digitalen Agenda

Sigmar Gabriel auf der heutigen Pressekonferenz zur Vorstellung der Digitalen Agenda

Das Centre for Digital Cultures (CDC) der Leuphana Universität Lüneburg begrüßt die wegweisenden programmatischen Äußerungen der Bundesregierung in der heute vorgelegten „Digitalen Agenda“ und die damit verbundene Zielsetzung, den digitalen Wandel aktiv zu fördern, zu begleiten und abzusichern. Dennoch sind die vorgeschlagenen Maßnahmen zur Umsetzung nicht weitreichend genug und fallen an vielen Stellen hinter die klaren Ankündigungen des Koalitionsvertrags zurück. Das gefährdet auch die Wissenschaften als Treiber des gesellschaftlichen Wandels. Continue reading

Breaking History: tagesaktuelle Nachrichten von vor 100 Jahren

aera breaking historyDas Attentat auf den österreichisch-ungarische Thronfolger Franz-Ferdinand in Sarajevo am 28. Juni 1914 war der Startschuss für den 1. Weltkrieg und für Jutta Dobersteins Projekt Aera Magazin: Breaking History.

Seit gestern berichtet das Online-Magazin täglich in den Rubriken Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Technik, Kultur & Gesellschaft, Sport und Lifestyle aus dem medialen Alltag des Kaiserreichs. Und auch die Werbung der Zeit kommt frisch aus dem Archiv.

Auf aera online lernen wir eine Generation kennen, die voller Elan und mit phantastisch modernen Ideen in ein neues Jahrhundert aufgebrochen ist – bevor alle in den Krieg zogen.

Als Quellen dienen u.a. das Berliner Tageblatt, die kaisertreue Kreuzzeitung, das SPD Organ Der Vorwärts und Europeana 1914-1918. Das Ganze wirkt nicht nur durch die Erscheinung verblüffend aktuell. So wurde z.B. das Tempelhofer Feld schon damals zur Wohnungsbebauung angepriesen. Der Stern schreibt dazu:

Das ist eines der erstaunlichsten Dinge, die “Aera” offenbart: Wie sich die damalige und heutige Weltlage ähneln: Vor hundert Jahren gab es ebenfalls Guerillakriege, führten Nomaden ebenfalls einen Dschihad (gegen die Briten) und machten ebenfalls Jugendbanden die Vororte von Paris unsicher (die selbsternannten “Apatschen”).

Im Fußball gab es heute vor hundert Jahren nichts zu berichten, dafür wurde in Wimbledon die Lawntennis-Weltmeisterschaften (auch die Anglifizierung ist kein neues Phänomen) fortgesetzt. Im ersten Match siegte — “einem Privat-Telegramm zufolge” — der Deutsche Froitzheim gegen den Engländer F. G. Lowe.

Am Snowden Anniversary Day ruft das CDC zu Maßnahmen zum Schutz der eigenen Privatsphäre auf

140605_Snowden-Day1bHeute vor einem Jahr begann der Guardian mit der Veröffentlichung der Enthüllungen des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden. Die folgenden Wochen und Monate haben die Welt – und nicht nur die der Geheimdienste – für immer verändert. Am heutigen Jahrestag erinnern Aktionen in aller Welt daran, wie wenig die Politik getan hat, um die Totalüberwachung zu beenden, und zeigen auf, was wir selbst tun können, um unsere Privatsphäre zu schützen.

Reset the Net ist das Bekenntnis, Schritte zu unternehmen, um Kommunikationsfreiheit gegen Überwachung zu schützen. Mit einem Startbildschirm weisen die teilnehmenden Websites auf ein Paket von Programmen für mobile Geräte und Rechner hin, die die Kommunikation sicherer machen. Das Centre for Digital Cultures (CDC) der Leuphana Universität, seine Labs und befreundete Projekte beteiligen sich an der Aktion. Dazu gehören das Centre for Digital Cultures, das Grundversorgung 2.0 Lab, das Hybrid Publishing Lab, das Gamification Lab, das Di­gi­tal Cul­tu­res Re­se­arch Lab, das Museum of Post Digital Cultures sowie Freifunk.net, Freifunk-Lüneburg, Freifunk statt Angst, die Open Government Partnership Deutschland, E-Demokratie.org, Not Your-Govdata, Neusprech und Resync. Continue reading

Hyperkult XXII: Standards, Normen, Protokolle, 4.-6. Juli 2013

Centre for Digital Cultures
Medien- und Informationszentrum und
Institut für Kultur und Ästhetik digitaler Medien der
Leuphana Universität Lüneburg
“Alte Post” in der Sülztorstr. 21-25
21335 Lüneburg

Die 22. Hyperkult steht vor der Tür. Dieses Mal zum Thema “Standards, Normen, Protokolle”. Welche Rolle spielen Standards, Normen und Protokolle für die Strukturbildung der Nächsten Gesellschaft? Sind Protokolle nicht vielleicht doch ihre wichtigsten Medien, und der lange Marsch durch die Institutionen müsste heute durch die Normungskommissionen verlaufen? Welche Bedeutung haben das W3C, welche die ICANN, die WIPO? Wo, bitteschön, scheint denn eine neue Anarchie auf, die alle diese verknöcherten Regularien, wenigstens für kurze Zeit, zum Teufel schickte?

Mit Vorträgen unter anderem von Claus Pias: Protokollfragen, Ned Rossiter: Logistical Worlds: Command and Control, Exodus and Invention, Rolf Großmann: MIDI-Geschichte(n), Andrea Knaut: Normindividualität, Jens-Martin Loebel: “Mühlendamm Schleuse, bitte kommen!” Die Geschichte der Vollzugsordnung für den Funkdienst als soziales Protokoll, Agata Królikowski: Standardisierte Überwachung und Wolfgang Coy: “Was die technische Welt im Innersten zusammen hält”.

“Quo vadis, BBC?” – CDC-Mitarbeiter diskutieren mit Charlie Beckett über die Perspektiven des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Der Skandal um den verstorbenen BBC-Moderator Jimmy Saville, journalistische Versäumnisse und ein misslungenes Krisenmanagement – die ehrwürdige BBC, die Wiege des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, erlebte 2012 die schwerste Krise ihrer Geschichte.

Weniger als einen Monat nach der Übernahme des Postens des BBC-Generaldirektors durch Tony Hall diskutierten Charlie Beckett, Gründungsdirektor des an der London School of Economics angegliederten Think Tanks POLIS, Christian Potschka, Kommunikationswissenschaftler im Projekt “Grundversorgung 2.0″ des Zentrums Digitale Kulturen (CDC) an der Leuphana Universität Lüneburg, und Leonard Novy, Mitglied der Leitung des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM) und Gastwissenschaftler am CDC, am 30. April über Zustand und Zukunft der BBC.

In einem medienpolitischen Kolloquium des IfM gab Beckett, der im Laufe seiner über 20-jährigen Karriere als Journalist auch für die BBC arbeitete, Einblicke in die Ursachen (und den Umgang mit) einer Krise, die weit über individuelle und redaktionelle Fehlleistungen hinausgeht. Die ihnen zugrundeliegenden strukturellen Probleme gepaart mit grundlegenden technologischen wie gesellschaftlichen Veränderungen berühren letztlich die Zukunftsfähigkeit und soziale Legitimation einer Institution. Sie ist nun gezwungen, sich zu modernisieren und ihre Organisations- und Aufsichtsstrukturen zu reformieren. Eine Herausforderung, die, wie Christian Potschka betonte, sich auch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland stellt.

Eine wesentliche Aufgabe für Medienpolitik und Öffentlich-Rechtliche auf beiden Seiten des Kanals besteht laut Beckett darin, in einer sich diversifizierenden Multimedia-Landschaft ohne Frequenzknappheiten den „Case“ für Public Service zu machen. Neue Akteure seien hinzugetreten, deren Inhalte unzweifelhaft „public value“ böten. So liefere BSkyB einen exzellenten Nachrichtenkanal und, in Form von Sky Arts, ein umfassendes Kulturangebot, während Anbieter wie Netflix in herausragende fiktionale Programme investieren. Dazu kämen Wikipedia und alternative Formen der Finanzierung und Produktion von (investigativem) Journalismus wie pro publica. Entsprechende Angebote machten Public Service-Angebote noch lange nicht obsolet. Doch stelle sich die zentrale strategische Frage, wie sich Public Service Medien solchen Entwicklungen und Akteuren gegenüber verhalten und wie sie ebendiese durch eine Kultur der Offenheit bzw. – wo sinnvoll – eine Einbindung im Sinne des „networked journalism“ für ihren Auftrag zu nutzen in der Lage sind, um den Anschluss an neue technologische und gesellschaftliche Realitäten nicht zu verlieren.